Wechseljahre

Kritischer Blick zum Thema Wechseljahre

Wir erleben viele Frauen in unseren Praxen, die keine Hormone einnehmen wollen. Leider sind viele dieser Frauen verunsichert wegen der vielen widersprüchlichen Informationen. Doch die Wechseljahre sind eine wichtige Zeit im Leben einer Frau. Deshalb soll dieser Bericht einen anderen Blickwinkel zu diesem Thema aufzeigen und den Frauen zu einer informierten Selbstentscheidung verhelfen.

Die Bedeutung der Wechseljahre:
Die Konfrontation mit den Wechseljahren löst laut einer Berliner Studie bei 60% der Frauen aus, dass sie die Wechseljahre als eine Lebensphase der Neuorientierung empfinden. Die Beschwerden in dieser Zeit können in diesem Sinne als Ausdruck einer Orientierungskrise in einem Lebensübergang gedeutet werden. Die Wechseljahre machen den Frauen die Endlichkeit und Vergänglichkeit bewusst. Die biologisch fruchtbare Zeit geht zu Ende. Dies löst Ängste aus: Verlust an körperlicher Attraktivität, Schwinden der Sexualität, Alterungsprozess, Abhängigkeiten. Die Rolle als alternde Frau in unserer Gesellschaft ist nicht attraktiv, da auch nur wenige erstrebenswerte Vorbilder vorhanden sind.

Die Beschäftigung mit sich selber in der mittleren Lebensphase ist nicht frauenspezifisch, fast alle ziehen mehr oder weniger Bilanz. Für die Frauen ist die Wirklichkeit des Alterns aber greifbarer als für die Männer, sie sind stärker gezwungen, sich damit auseinander zusetzen.

Hier hat die Hormontherapie den einzigen positiven Effekt:
Unsere Großmütter mussten nicht viel darüber nachdenken, es war einfach so. Heute aber sind die Frauen gezwungen, eine Entscheidung zu treffen, und das zwingt sie, ihre Situation zu überdenken.

So gesehen können die Wechseljahre als ein kritisches Übergangsstadium im Leben einer Frau angesehen werden, vergleichbar am ehesten mit der Pubertät, als ein Wendepunkt, der für die persönliche Weiterentwicklung sogar wünschenswert und fruchtbar sein kann. Es gilt eine neue Identität zu finden.

Die Schulmedizin geht ausschließlich von einem Defizit-Modell aus: Der Hormonrückgang entspricht einem Mangel-Zustand, der behoben werden muss. Die von Männern dominierte Gynäkologie kann ihrem Frauenbild entsprechend die Wechseljahre nur als Katastrophe sehen. Der Schaden dieser Katastrophe muss nun durch Hormonersatztherapie (HET) möglichst begrenzt werden. Die gesellschaftliche Wertung in unserem westlichen Kulturkreis unterstützt die Befürworter der HET darin: Die Überschätzung der Werte "jung, attraktiv, dynamisch" macht es den Frauen nicht leicht, das Altern akzeptieren zu können.

Was können wir dem dagegenstellen? Wir können die Frauen darin unterstützen, dass sie den Wechsel zum Anlass nehmen, ihr Leben neu zu überdenken. Nicht wenige Frauen beginnen in dieser Zeit, neue Perspektiven zu entwickeln, andere Prioritäten zu setzen, ihre traditionelle Frauenrolle zu hinterfragen. Jetzt endlich mehr an sich selbst zu denken und nicht nur immer an die anderen, jetzt endlich weniger Kompromisse machen, jetzt auch unabhängiger zu werden von den Bewertungen anderer, von den Schönheitsidealen in unserer Gesellschaft. Es kann doch befreiend sein, wenn frau sich nicht mehr messen muss an den Bildern von 18jährigen Top-Mannequins, die sich nur von Kaffee und Nikotin "ernähren".

Viele Frauen nehmen die Wechseljahre auch als Anlass, ihre Lebensführung neu zu überdenken, bewusster mit ihrer Gesundheit umzugehen, sich gesünder zu ernähren, sich mehr zu bewegen, evtl. mit dem Rauchen aufzuhören.
Die Angst vor dem Altern sensibilisiert viele Frauen, was ihnen gut tut und was nicht.

Stellenwert der Wechseljahre in anderen Kulturen:
Die sozialen und kulturellen Umfelder prägen das Rollenverständnis der Frauen. Entsprechend verschieden erleben sie die Wechseljahre. Die Bedeutung der Wechseljahre variiert unter den Kulturen stark.

Dazu einige Beispiele:

  • Die Japaner sehen die Lebensmitte als die Blütezeit im Leben einer Frau an. Ein Sistieren der Menstruation wird als sinnvoll angesehen, weil damit Energien gespart werden können. Nur 10% der Japanerinnen leiden an Hitzewallungen (in Europa sind es 70%), und es existiert in der japanischen Sprache kein Wort für Wallungen.
  • Bei den Maya aus Yucatan genießen die älteren Frauen einen hohen gesellschaftlichen Respekt. Sie haben viele Kinder geboren und sind nun durch die Wechseljahre von weiteren Schwangerschaften befreit. Die Wechseljahre werden als etwas positives angesehen, und es sind keine Wechseljahrbeschwerden bekannt.
  • Ähnlich ist es in verschiedenen afrikanischen Kulturen: Dort wechselt der gesellschaftliche Status einer Frau mit den Wechseljahren. Sie bekommen eine ähnliche Stellung wie die Männer, der Respekt vor ihnen steigt. Sie haben Rechte, die sie vorher nicht hatten: Sie dürfen jetzt Handel treiben, können u.a. als Hebamme tätig sein, sie können vorher verbotene Speisen essen, sie können nun auch mitbestimmen. Das Altern ist in diesen Kulturen weniger bedrohlich, da die Sippschaft die alten Menschen trägt. Der Gewinn, der mit der Menopause verbunden ist, ist so groß, dass die Frauen nicht mit Angst darauf zugehen. Sie leiden kaum an Wechseljahr-Beschwerden.
     
  • Wir möchten mit diesen Beispielen folgendes aufzeigen: Wie eine Gesellschaft die Wechseljahre sieht, hängt stark davon ab, welche Bedeutung das Altern hat, und welche Rollen sie den Frauen zuordnen. Sind die Wechseljahre für die Frauen mit einem Gewinn verbunden, wird den alternden Frauen Respekt entgegengebracht, so treten weniger Beschwerden auf.
    In den westlichen Kulturen bestehen keine Beschränkungen der Frauen vor der Menopause, die nachher wegfallen, sie ziehen also keinen Gewinn aus den Wechseljahren. Er werden nur Verluste mit den Wechseljahren assoziiert.
    Aber auch bei uns gibt es kein einheitliches Bild der Wechseljahre. Je nachdem, wie wir die Rolle der Frau definieren, je nach weltanschaulichem oder religiösem Hintergrund, je nach familiärem Umfeld haben wir andere Erwartungen an diese Zeit.


Es liegt auch an den Frauen selbst, sich dafür einzusetzen, dass die Wechseljahre für ihre Töchter zu etwas weniger Bedrohlichem werden. Und es liegt an den Frauen, dass sie sich dafür einsetzen, dass sie mit Würde alt und runzelig werden können.

Wechseljahre (WJ) - biologisch-medizinische Aspekte:
Die WJ beginnen im Alter von 40-50 Jahren und können sich über einen Zeitraum von 12-15 Jahren erstrecken. Diese Zeit wird unterteilt in 3 Phasen:
1 Vorphase:
Die Prämenopause ist die Zeit von 40 Jahren bis zum Auftreten von unregelmäßigen Zyklen.
2. Übergangsphase:
Die Perimenopause dauert vom Auftreten unregelmäßiger Zyklen bis zur letzten Blutung, der Menopause, bei manchen Autoren auch bis zu einem Jahr nach der letzten Blutung.
3.Ausbleiben der Menstruation:
 Mit der letzten Menstruation beginnt die Postmenopause, also die Zeit nach der Menopause.

Das Markanteste in dieser Zeit ist die Menopause. Sie tritt bei uns im Durchschnitt mit 51 Jahren auf. Bei 1% der Frauen tritt die Menopause verfrüht, das heißt vor dem 40. Lebensjahr auf. Ein abruptes Ende der Menstruation kann durch Stress, z.B. einen Todesfall oder eine Trennung, ausgelöst werden. Bei Raucherinnen tritt die Menopause im Durchschnitt 2-3 Jahre früher auf.

In den Wechseljahren stellen die Eierstöcke ihre Funktion ein. Sie bilden keine Eier (Follikel) mehr und hören auf, die weiblichen Hormone Östrogen und Gestagen zu bilden. Dies ist ein wichtiger und sinnvoller Vorgang, weil damit die Frauen im Alter vor weiteren Schwangerschaften geschützt werden, die ja in diesem Alter mit hohen Risiken verbunden wären.

Der weibliche Monatszyklus wird von Hormonen aus der Hirnanhangdrüse gesteuert und reguliert. Die wichtigsten dieser Hormone sind das LH (Luteinisierendes Hormon) und das FSH (Follikelstimulierendes Hormon). LH und FSH regen die Eierstöcke an. Reagieren nun die Eierstöcke nicht mehr auf den Impuls, so steigen diese Hormone immer mehr an, die Hirnanhangdrüse versucht immer stärker, die Eierstöcke zur Produktion anzuregen. Wenn das noch möglich ist, so können die Östrogene plötzlich wieder ansteigen. Wenn die Eierstockfunktion aber endgültig erloschen ist, bleiben die Östrogene tief, die Postmenopause hat begonnen. FSH und LH bleiben während Jahren bis Jahrzehnten hoch. Bei vielen Frauen hört die Hormonproduktion aber nicht abrupt auf, sondern verläuft phasenweise: Die Östrogene können einmal ganz tief sein, dann steigen sie wieder an, sind vielleicht phasenweise zu hoch, sinken dann wieder.

Hormonveränderungen in den Wechseljahren:

1. Prämenopause:
In der ersten Phase geht die Produktion der Gestagene zurück. Gestagene sind die Gelbkörperhormone, auch Progesterone, die in der zweiten Zyklushälfte, also vor dem Eisprung bis zur Menstruation gebildet werden. Dieser Rückgang beginnt schon zwischen 35-45 Jahren, was zu einem Übergewicht der Östrogene gegenüber den Gestagenen in der zweiten Zyklushälfte führt. Typisch sind hier kürzere Zyklen und eine verstärkte Mens. Es können Beschwerden vor der Menstruation auftreten wie z.B. Brustspannen, Depressionen und Gereiztheit, Aufgedunsensein. Es können auch Kopfschmerzen bei der Mens bestehen. Ab 40 Jahren treten auch zunehmend Monatszyklen ohne Eisprung auf, die Fruchtbarkeit sinkt.

2. Perimenopause:
In der zweiten Phase beginnt die Produktion der Östrogene zu sinken. Dies ist oft eine instabile Zeit, in der die Frauen psychisch unausgeglichen sind. Es können unregelmäßige Blutungen, lange Phasen ohne Menstruation auftreten. Vielleicht auch Dauerblutungen, die nicht mehr aufhören wollen. Die Symptome wechseln, es können die ersten typischen Beschwerden wie Wallungen auftreten, diese können aber auch plötzlich verschwinden. Es können auch Phasen der Östrogen-Überproduktion auftreten, in denen sich die Frauen aufgedunsen fühlen, die Brüste spannen, und in denen die Gebärmutterschleimhaut zu fest aufgebaut wird, was dann zu enorm starken Blutungen führen kann.
Wenn diesen Frauen fälschlicherweise Östrogene verschrieben werden, was leider häufig passiert, so werden sie sich so mies fühlen, dass sie nie mehr Hormone einnehmen wollen.

3. Postmenopause:
In der 3. Phase stellen nun die Eierstöcke ihre Produktion ein. Dies ist der Beginn der Postmenopause. Weil keine Östrogene mehr produziert werden, tritt auch keine Mens mehr auf.

Der weibliche Körper stellt auch nach dem Wechsel noch Östrogene her, wenn auch in viel kleineren Mengen und nicht mehr zyklisch. Diese werden in der Nebennierenrinde und im Fettgewebe produziert. Wenn diese Östrogen-Produktion noch relativ hoch ist, kann auch nach langem nochmals eine Mens oder Schmierblutung auftreten.

Die im weiblichen Körper schon immer vorhandene kleine Menge an männlichen Hormonen kann sich nun stärker bemerkbar machen. Es kann ein verstärkter männlicher Haarwuchs auftreten. Die Diagnose der Postmenopause kann mittels Bluttest festgestellt werden. Das ist meistens nicht nötig, kann aber wichtig sein, z.B. bei einer Frau ohne Gebärmutter, bei der man nicht weiß, ob sie schon im Wechsel ist. Oder wenn die Frage auftaucht, ob eine Frau noch schwangerschaftsverhütende Mittel anwenden muss. Bei jüngeren Frauen genügt aber solch eine Messung nicht, es muss nach einem halben Jahr eine zweite Messung gemacht werden, erst dann kann auf empfängnisverhütende Mittel verzichtet werden (die "Gefahr" einer Schwangerschaft ist sonst zu hoch).

Der Körper braucht nun eine gewisse Zeit, um sich an den neuen Zustand zu gewöhnen, er ist aus dem Gleichgewicht geraten. Es kann Monate, manchmal auch Jahre dauern, bis ein neues Gleichgewicht gefunden ist.

Diese Einteilung in drei Phasen des Wechsels ist künstlich. Es gibt fließende Übergänge, die Phasen kommen nicht bei allen Frauen vor und sind vor allem nicht gleich ausgeprägt.

Folgen der Wechseljahre:
Die WJ laufen im allgemeinen nicht so krisenhaft ab, wie es die negative Annahme der Frauen und der Fachpresse erwarten lässt. 

Treten aber in der Zeit der WJ Beschwerden irgendwelcher Art auf, so werden sie von 90% der Frauen den Hormonen zugeschrieben. Eindeutig im Zusammenhang mit der hormonellen Umstellung stehen nur die Wallungen und die Scheidenatrophie, vermutlich auch die Schlafstörungen. Bei allen anderen Symptomen wie z.B. der Depression, bei sexuellen Problemen, bei Gelenkbeschwerden usw. ist der Zusammenhang mit der hormonellen Umstellung nicht erwiesen, sie könnten auch im Zusammenhang mit den psychischen Problemen stehen, mit einer Krise, welche durch die Tatsache der WJ ausgelöst wurde. Sie können auch Folge eines natürlichen Alters sein, also unabhängig von den Hormonen.

Das Ausmaß der Beschwerden hängt auch stark davon ab, wie die Situation aussieht, in der sich eine Frau befindet: Wird eine Frau in einer stabilen Beziehung durch einen Partner unterstützt, hat sie einen Beruf, der sie ausfüllt und sie auch materiell absichert, so werden ihr die WJ weniger Angst machen. Viele Frauen befinden sich aber gerade in diesem Alter nicht in so einer guten Lage: Ihre Kinder haben das Haus verlassen, sie möchten wieder in ihren Beruf einsteigen, was momentan schwierig ist, sie haben sich gerade von ihrem Partner getrennt und leben zum ersten Mal im Leben allein usw.

Wechseljahrbeschwerden:

1. Wallungen
Die Wallungen sind die typischsten Beschwerden und stehen eindeutig im Zusammenhang mit dem Hormonrückgang.
Unter Wallungen leiden etwa 70% der Europäerinnen, bei 30% der Frauen dauern sie länger als 5 Jahre an. Verstärkt werden die Wallungen durch Kaffee, Nikotin, Alkohol, Aufregung und Stress, auch durch Freude. In einer dänischen Studie wurden Männer zwischen 41 und 50 Jahren befragt: 20% gaben an, das sie unter Hitzewallungen leiden. Manche Frauen haben keine Wallungen, sagen aber, dass ihre Körpertemperatur höher ist als früher, und manche Frauen, die in jungen Jahren immer schnell gefroren haben, empfinden das als angenehm.

2. Stimmungsschwankungen
Viele Frauen berichten darüber, dass sie psychisch unausgeglichener sind, stärkere Stimmungsschwankungen haben, reizbarer, nervöser sind. Depressionen treten nach neueren Kenntnissen nicht häufiger auf als in anderen Lebensphasen.
Frauen können in den WJ psychisch verwundbarer sein, die psychischen Beschwerden beginnen aber nicht unbedingt mit den hormonellen Veränderungen, eher bewirkt die Depression eine Senkung der Sexualhormonproduktion.
Viele Frauen klagen über weniger Energie, über eine Verminderung der Leistungsfähigkeit. Ist das nun die Folge des Hormonrückgangs oder eine Folge des Älterwerdens? Eine 60jährige Frau hat nicht mehr die gleichen Kräfte wie eine 20jährige Frau, muss es eigentlich auch nicht haben. Sie muss aber lernen, mit ihren Energien sparsamer umzugehen und sie sinnvoll einzusetzen und die Grenzen zu akzeptieren.

3. Zunahme an Körpergewicht
Etwa 33% der Frauen nehmen in den WJ an Körpergewicht zu, die durchschnittliche Gewichtszunahme beträgt 5 kg. Die Gewichtszunahme hat eigentlich einen Sinn, da Frauen mit mehr Fettgewebe auch nach dem Wechsel mehr Östrogene im Körper haben als ganz schlanke Frauen. Dadurch haben sie in der Regel weniger Beschwerden und sind zum Beispiel gegen Osteoporose besser geschützt.

4. Schlafstörungen
Etwa 66% der Frauen klagen über Schlafstörungen. Diese können sehr hartnäckig sein und führen zu einem starken Anstieg des Konsums von Schlaf- und Beruhigungsmitteln in dieser Altersgruppe von Frauen. Nach unserer Erfahrung sind die Schlafstörungen für viele Frauen das größte Problem. Mit Wallungen kann frau lernen umzugehen. Wenn Frauen aber monatelang nur wenige Stunden pro Nacht schlafen können, wenn sie jede Nacht mehrmals erwachen, so kann dies an die Substanz gehen. Frauen, welche beruflich aktiv sind, sagen manchmal, sie können sich das nicht leisten.

5. Blutungsstörungen
Blutungsstörungen in der Peri- und Postmenopause können Ausdruck einer natürlichen Entwicklung während der WJ sein, eine harmlose Regulationsstörung im Monatszyklus, und in den wenigsten Fällen behandlungsbedürftig. Sie können aber auch Ausdruck einer organischen Krankheit sein und müssen deshalb abgeklärt werden.

6. Sexualität
Viele Frauen haben Angst vor dem Verlust der Sexualität nach den Wechseljahren. Ebenso wie das Thema WJ war das Thema Sexualität im Alter bis vor wenigen Jahren tabuisiert.

In wissenschaftlichen Untersuchungen ist nun bestätigt worden, dass sehr viele ältere Menschen sexuell aktiv sind. Manche Frauen klagen zwar über einen Libidoverlust, aber bei vielen Frauen ändert sich nicht viel an der Sexualität. Es gibt auch fast 10% der Frauen, die ein verstärktes sexuelles Verlangen angeben. Das früher oft vermittelte Bild von der Frau in der Postmenopause, die "sexuell out" ist, ist völlig falsch. Bei manchen Frauen war die Sexualität mit ihrem Partner nie sehr befriedigend, und sie haben nun mit den WJ einen Grund, sie aufzugeben, nicht mehr zu "müssen". Bei vielen Frauen ist nicht das Nachlassen der sexuellen Lust das Problem: Viel mehr haben Frauen im Alter keinen Partner. Und nicht selten hat das sexuelle Verlangen der Männer stärker nachgelassen als bei ihren Frauen.

Bei etwa 30% der Frauen treten Probleme mit der Scheidenschleimhaut auf, so dass sie beim Verkehr Schmerzen haben. Die Scheidenatrophie tritt aber bei Frauen, die regelmäßig sexuell aktiv sind, weniger häufig auf.

Spätere Folgen der Wechseljahre:
Die Scheidenschleimhaut wird bei manchen Frauen dünner, blasser, brüchiger, dies nennt man Scheidenatrophie. Dies kann zu Trockenheit in der Schleimhaut führen, zu Schmerzen beim Verkehr. Es kann zu Brennen beim Wasserlösen und zu vermehrten Infektionen in der Blase und Scheide führen, evtl. zu Harninkontinenz.

Als weitere Spätfolgen werden Veränderungen am Skelett und an den Blutgefäßen genannt. Diese Veränderungen können aber auch Folge des natürlichen Alterns sein.

Wir möchten nochmals betonen, dass ein großer Teil der Frauen von den WJ nicht viel merkt. 66% der Frauen fühlen sich nach den WJ wieder gesund und leistungsfähig, manche sogar glücklicher und gesünder als vorher.

Hormon-Ersatz-Therapie (HET):
HET heißt, dass eine Frau in der Postmenopause künstliche weibliche Hormone einnimmt, entweder nur Östrogene oder eine Kombination aus Östrogenen und Gestagenen, also den beiden weiblichen Hormonen.

Kurzer historischer Rückblick:
In den 50er Jahren wurden die ersten synthetischen Hormone hergestellt. In den 60er Jahren wurde die HET v.a. in den USA propagiert unter dem Schlagwort "feminin for ever". Es wurden Östrogene in hoher Dosis verabreicht. In den 70er Jahren wurde dann nachgewiesen, dass das Endometrium-Karzinom (Krebs der Gebärmutterschleimhaut) um ein 5- bis 10-faches erhöht ist bei reiner Östrogen-Substitution. Die Verschreibungen gingen zurück, es wurden wieder Stimmen laut, die besagten, dass die WJ ja etwas Natürliches seien. Seit den 80er Jahren wird nun die kombinierte Östrogen-Gestagen-Substitution propagiert. Bei dieser Einnahmeform, so wird gesagt, ist das Risiko für einen Gebärmutter-Krebs nicht mehr erhöht.

Neu ist nun seit Ende der 80er Jahre, dass zunehmend verlangt wird, dass alle Frauen während Jahrzehnten, wenn nicht gar lebenslänglich Hormone einnehmen sollten. Damit will man eine prophylaktische Wirkung gegen Osteoporose und gegen Herzkreislaufkrankheiten bewirken. Es wird den Frauen von der Schulmedizin ein scheinbarer Konsensus präsentiert, mit Fakten, die wissenschaftlich nicht belegt sind. Es wird den Frauen vorgemacht, dass Heilpraktiker / Ärzte, Wissenschaftler und Experten einig wären, was auf keine Weise der Wahrheit entspricht. Über die Langzeitfolgen der HET wissen wir so gut wie nichts.

Die bis heute zitierten Fakten stammen hauptsächlich aus retrospektiven Beobachtungs- und Fallsstudien. Diese unterliegen einem statistischen Irrtum: Frauen, welche Hormone einnehmen oder einmal eingenommen haben, werden darin verglichen mit Frauen, die keine Hormone einnehmen oder nie eingenommen haben. Dieser Vergleich ist aber nur zulässig, wenn beide Gruppen vergleichbar sind. Es wurde aber in verschiedenen Studien nachgewiesen, dass die Frauen, welche Hormone einnehmen eine besondere Gruppe sind, mindestens in den USA woher die großen Studien stammen: Sie sind insgesamt seltener krank, stammen aus höheren sozialen Schichten, betreiben mehr Sport, leiden weniger an Übergewicht, hohem Blutdruck und Diabetes, ernähren sich auch gesünder. In diesen Vergleichsstudien sind also ganz verschiedene Gruppen von Frauen miteinander verglichen worden und die Gruppe, welche Hormone einnimmt, hat an sich schon eine bessere Lebenserwartung, ein weniger hohes Risiko für Herzkreislaufkrankheiten und für Osteoporose. Trotz diesen statistischen Fehlern werden diese Studien immer wieder zitiert, um zu beweisen, wie effektvoll die HET ist.

Bei Informationen über die HET werden den Frauen wissenschaftlich nicht erwiesene Aussagen als Fakten verkauft. Hier wird eine Einigkeit vorgetäuscht, um die Frauen nicht zu verunsichern, wie gesagt wird, also sie nicht davon abzuhalten, Hormone einzunehmen.

Hormonersatztherapie im präventiven Sinn:

Herzkreislauf:
Seit einigen Jahren wird die HET als Schutz gegen kardiovaskuläre Krankheiten angepriesen. Was wissen wir nun darüber? Wir wissen, dass die Östrogene einen günstigen Einfluss auf das Gefäßsystem haben: Sie erweitern die Arterien, erhöhen das HDL-Cholesterin und senken das LDL-Cholesterin (dieses wird fälschlicherweise als gefährlich betrachtet. Gefahr entsteht alleine durch das Oxycholesterin, welches bei der industriell hergestellten Nahrung durch einen Oxidationsprozeß entsteht). Sie haben vermutlich einen günstigen Effekt auf das Blutgerinnungssystem. Ein Beweis, dass sich diese Laborbefunde auf die Gesundheit der Frauen, auf ihre Lebenserwartung wesentlich auswirken, steht aber noch aus. In vielen Studien wurde zwar eine Reduktion des Risikos für einen Herzinfarkt um etwa 50% nachgewiesen, und diese Resultate werden immer ins Feld geführt.

Aber wir haben vorher erklärt, warum sie nicht verwertbar sind: Beim jetzigen Stand der Wissenschaft ist es unmöglich zu sagen, ob die Östrogene wirklich einen Schutz bieten und wie hoch dieser Schutz allenfalls ist.

Diese Studien haben auch noch viele andere Mängel: Sie wurden meist in einer Zeit gemacht, in der man Östrogene ohne Gestagene verschrieben hat. Heute aber wird nur noch die Östrogen/Gestagen-Behandlung empfohlen. Und es weiß niemand, ob die Gestagene den schützenden Effekt der Östrogene nicht aufheben, da die Gestagene für das Gefäßsystem und das Cholesterin ein eher problematischer Stoff sind. Wenn wir die Zahlen genau anschauen, wie stark sich dieser Schutz nun auf die Lebenserwartung auswirkt, so ist er minimal, andere Faktoren wie Nikotin usw. sind viel gewichtiger.

Eine viel beachtete Studie ist die sogenannte PEPI-Studie, eine wissenschaftlich korrekt durchgeführte Studie: Es wurden während drei Jahren der Effekt der HET auf Risikofaktoren für Erkrankungen der Herzkranzgefäße untersucht: Cholesterin, Blutdruck, Blutzucker usw. Es konnte ein günstiger Effekt auf das Cholesterin bei einer reinen Östrogen-Therapie nachgewiesen werden. Bei der kombinierten Östrogen/Gestagen-Therapie war der Effekt jedoch kaum mehr nachweisbar. Dieser Nachweis eines Einflusses auf das Cholesterin genügt unserer Meinung nach nicht, um die Forderung aufzustellen, dass gesunde Frauen während Jahrzehnten eine Therapie durchführen müssen. Die Autoren dieser Studie kommen zu dem Schluss, dass es noch klinische Studien braucht, um zu beweisen, dass die HET das Risiko für koronare Herzkrankheiten senkt.

Die finnische Epidemiologin Hemminki, die sich ausführlich mit der HET befasst hat, berechnet eine Lebensverlängerung durch 10 Jahre HET um 0,17 Jahre, falls das Risiko für Mamma-Karzinom nicht erhöht wird. Falls aber das Risiko für Brustkrebs erhöht ist, so sind es gemäß Frau Hemminki 0,2 Jahre weniger!

Bei bevorstehender Herz-/Gefäßkrankheit ist ein Nutzen der Östrogentherapie größer und muss durch einen Spezialisten beurteilt werden.

Osteoporose (OP):
Die OP wird noch stärker ins Feld geführt als Argument für eine HET bei allen Frauen. Sie verunsichert Frauen auch stärker. Was wir hier wissen:

Die OP ist eine häufige Krankheit. 33% der Frauen über 65 Jahren muss mit einer OP-bedingten Fraktur rechnen, 10-15% der Frauen über 85 Jahren erleiden einen Oberschenkelhalsbruch. Wir müssen die OP also ernst nehmen.

Bei der OP verliert der Knochen an Kalzium, also an Substanz, und erleidet eine Veränderung der Anordnung der kleinen Knochenbälkchen. Dadurch wird der Knochen brüchiger.

Die Knochensubstanz baut sich im Leben eines Menschen etwa bis zum 30. Lebensjahr auf. Dann erfolgt ein leichter Abbau von 1-2% pro Jahr. Nach der Menopause gibt es etwa während 10 Jahren einen beschleunigten Abbau, danach wird der Knochen wieder auf dem Niveau von vorher abgebaut.

Verschiedene Faktoren bestimmen die Entwicklung der OP. Der Aufbau kann reduziert gewesen sein, so dass in jungen Jahren nie ein Maximum an Knochensubstanz aufgebaut wurde, oder der Abbau kann beschleunigt sein.

Es gibt 2 Typen von OP, die für uns hier wichtig sind:

Die senile OP:
Bei der senilen OP, von der auch Männer betroffen sind, findet ein mehr oder weniger normaler Abbau statt. Es ist vor allem die Knochenrinde vom Abbau betroffen. Diese OP äußert sich vor allem an den Extremitäten, also in Form von Frakturen des Oberschenkels oder des Vorderarmes. Ob eine Frau eine OP von diesem Typ entwickelt, hängt sehr von ihrer Lebensführung ab: wer sich genügend bewegt, genügend natürliches Kalzium über die gesunde Ernährung einnimmt, ist weitgehend gegen diese OP-Form geschützt. Eine Kalzium-Substitution in Tablettenform schützt gegen den Knochenabbau nicht!

Die postmenopausale OP:
Diese OP-Form ist die problematischere: Die von ihr betroffenen Frauen verlieren nach der Menopause über 3,5% an Knochensubstanz pro Jahr, man nennt sie "Fast-loser", also "schnelle Verliererinnen". Hier ist nun vor allem das Knochenmark betroffen. Diese Frauen leiden schon in jungen Jahren an OP, und diese OP-Form betrifft stärker die Wirbelsäule: Es treten Einbrüche der Wirbelkörper auf, die Wirbelsäule verkrümmt sich, wird kürzer, was zu massiven Rückenschmerzen führt. Diese Form der OP ist stärker erblich bedingt und kann mit der eigenen Lebensführung schlecht beeinflusst werden. Etwa 20% der Frauen gehören in diese Gruppe.

Wer gehört nun zu den gefährdeten Frauen? Risikofaktoren für eine OP sind:

  • Fälle von OP in der Familie
  • Übergewicht
  • frühe Menopause
  • Rauchen
  • Bewegungsmangel
  • Alkohol
  • Einnahme von bestimmten Medikamenten während langer Zeit, v.a. Cortison (verantwortlich für einen schnelleren Knochensubstanzabbau) und Abführmittel.

Leider ist es nicht möglich, anhand der Risiko-Faktoren die gefährdeten Frauen genau zu bestimmen. Frauen mit vielen Risiko-Faktoren haben nur in 80% eine tiefe Knochendichte, während Frauen ohne Risiko-Faktoren immerhin noch zu 20% an einer OP erkranken. Ein großes Problem ist, dass man die OP selbst nicht merkt, bis sie relativ weit fortgeschritten ist.

Wirkungen der HET:
Mit den Östrogenen kann der schnelle Knochenverlust gestoppt werden. Werden die Östrogene abgesetzt, so geht der Verlust sofort weiter, einfach um die Jahre verzögert, während derer die HET durchgeführt wurde. Deshalb wird die Hormoneinnahme während Jahrzehnten oder gar lebenslänglich empfohlen.

Sollen nun wirklich alle Frauen Hormone einnehmen, damit derjenige Anteil der Frauen, die gefährdet sind, einen Schutz hat, so wie es propagiert wird? Und wie groß ist nun der Gewinn einer solchen Maßnahme? Das Arzneitelegramm hat folgendes berechnet: 11 von 100 Frauen erleiden bis 85jährig einen Oberschenkelhalsbruch. 100 Frauen müssten nun 40 Jahre lang Östrogene einnehmen, um bis 85jährig einen Oberschenkelhalsbruch zu vermeiden. Da aber sowieso nur 11 von 100 Frauen einen erleiden würden, nehmen 89% dieser Frauen die Hormone vergebens ein!

Es gibt auch sehr effektvolle Maßnahmen gegen OP-bedingte Frakturen im hohen Alter ohne eine HET-Therapie, wenn man sich einmal genau die Ursachen der Frakturen anschaut und nicht die Fraktur selber. Prof. Dambacher, der Züricher OP-Spezialist schreibt dazu: "Bisher war es das Ziel bei einer OP, die Knochendichte zu verbessern. Es findet hier ein Umdenken statt: Das Maß der Dinge ist nicht die Knochendichte, sondern das Vermeiden von Frakturen." Es gibt nämlich Menschen mit miserablen Knochen, die nie eine Fraktur erleiden. 75% der Oberschenkel-Frakturen passieren im häuslichen Umfeld und im Winter. Wichtig ist deshalb:

  • Das häusliche Umfeld muss saniert werden, Stolpermöglichkeiten müssen reduziert werden (Teppiche, Schwellen, Kabel usw.)
  • Blutdruckabfälle müssen vermieden werden, Gleichgewichtsstörungen und Gehschwächen müssen behandelt werden.
  • Vermeiden von Medikamenten, welche zur Verwirrung und dadurch zu Stürzen führen können (Schlaf- und Beruhigungsmittel).
  • Es gibt Hüftschoner für ältere Patienten, die den Oberschenkel abpolstern und somit die Frakturgefahr bei einem Sturz reduzieren.
  • Beweglich bleiben, da bewegliche Menschen weniger stürzen. Unter Bewegung ist Turnen oder zügiges Gehen zu verstehen.

Negative Auswirkungen der HET:

Brustkrebs:
Die bisherigen Studien darüber, ob das Risiko für Brustkrebs durch die HET erhöht ist, ergeben widersprüchliche Resultate. In einigen Studien zeigt sich aber, dass nach langjähriger Hormoneinnahme ab 5-10 Jahren das Risiko für Brustkrebs ansteigt. In einer amerikanischen Studie konnte gezeigt werden, dass das Brustkrebsrisiko bei reiner Östrogen-Therapie um 30% ansteigt. Mit der kombinierten Östrogen/Gestagen-Therapie war das Risiko sogar noch etwas höher! Das Risiko stieg nach 5 Jahren Hormon-Einnahme und bei Frauen über 55 Jahren. Der Autor dieser Studie, Colditz, warnte vor langjähriger Hormon-Einnahme, speziell wenn Brustkrebsfälle in der Familie und näheren Verwandtschaft aufgetreten sind.

Thrombose:
Ein weiteres Risiko bei der HET besteht in der Gefahr für eine Thrombose und Lungenembolie. Im letzten Herbst sind 3 voneinander unabhängige Studien, die im "Lancet" veröffentlicht wurden, zum gleichen Schluss gekommen: Das Risiko für eine Thromboembolie ist um das 2-4fache erhöht, und dies vor allem im ersten Jahr der Hormon-Einnahme. Es sind vor allem Frauen gefährdet mit erblich bedingtem Risiko für Thromboembolien.

Gebärmutterkrebs:
In den 70er Jahren hat man gemerkt, dass bei reiner Östrogen-Therapie das Risiko für einen Krebs der Gebärmutter massiv um ein 10faches erhöht ist. Die Östrogene stimulieren die Gebärmutter-Schleimhaut, die Schleimhaut verdickt sich und kann zu einem bösartigen Krebs entarten. Man hat dann empfohlen, bei Frauen mit noch vorhandener Gebärmutter Gestagene zu geben. Damit bewirkt man, dass regelmäßig eine Blutung auftritt und die Gebärmutterschleimhaut ausgestoßen wird. So nahm man an, könnte kein Endometrium-Karzinom entstehen. Heute wissen wir durch eine neue Studie, dass auch mit der kombinierten Therapie das Risiko für Gebärmutterkrebs sich etwa verdoppelt.

Wann ist dann eine HET-Therapie sinnvoll?
Wenn die WJ-Beschwerden massiv sind, und auch mit alternativen Mitteln nicht behoben werden können, kann eine kurzfristige Einnahme von Hormonen sinnvoll sein.

Absolut kontraindiziert ist eine HET in folgenden Situationen:

  • Hormonabhängige Tumore
  • Akute Lebererkrankungen
  • Nicht abgeklärte vaginale Blutungen
  • Akute Thromboembolien

Vorsicht ist geboten bei:

  • Fällen von Brustkrebs in der Familie oder Verwandtschaft
  • Thromboembolien in der Anamnese oder gehäufte Thromboembolien in der Verwandtschaft
  • Endometriose


Dies ist unsere persönliche Meinung und entspricht nicht der offiziellen "Expertenmeinung", die wieder einmal nur die Interessen der Pharma-Industrie, welche damit Millionen-Gewinne einfahren, vertreten.

Die hier stattfindende kulturelle Verleugnung von Alter und Tod, die Angst vor Alter und Tod wird im Kollektiv verdrängt. Hier ist ein weiterer Nachteil der HET zu orten: Sie kann bewirken, daß die Frauen ihre Ambivalenz während den WJ verdrängen. So hindert sie die Frauen daran, eine neue Identität als alternde Frau zu finden und sich gegen die Pharma-Forderung, bis 80 jung erscheinen zu müssen, zu wehren. Hormone einnehmen bedeutet in diesem Sinn, dass Frauen sich ewig jung wähnen können, dass Frauen ewig leistungsfähig bleiben müssen, dass Frauen ewig den männlichen Erwartungen entsprechen müssen!

Wollen Sie sich als Frau wirklich so manipulieren lassen?
 

Philosophisch-Homöopathische Betrachtungen zum Thema Wechseljahre

Der Name "Wechseljahre" bedeutet nicht der Anfang vom Ende, oder irgend etwas Entsetzliches. Er weist nur darauf hin, das es eine Zeit des Wandels und der Veränderung ist. Wir brauchen das Wort tagtäglich, wir sagen: Schuhe wechseln, Kleider wechseln, Haus wechseln, manchmal sogar PartnerIn wechseln.

Die Natur kennt ständige Abwechslungen: Frühling - es wird langsam grün, dann Sommer - heiß und fröhlich - und wenn die Blätter fallen, vollgetankt mit Sonnenenergie und beladen mit der natürlichen Weisheit, reif sind, folgt die Zeit, die Herbst heißt. Es ist hauptsächlich eine Frage der Einstellung, ob wir uns Veränderungen gegenüber positiv oder negativ verhalten, ob wir denken: "Oh, ich bin alt und welk geworden", oder ob wir sagen: "Ich bin reif und weise geworden." Abwechslungen sind im Leben normal und können, ja dürfen nicht verhindert werden. Plastikchirurgie, Hormonbehandlungen, Pillen oder diese Halsstraffer-Macher, Lifting oder Superlifting, alles hilft nicht, denn wir haben es da mit einem natürlichen Prozess zu tun. Es gibt immer wieder große, bekannte Ärzte, berühmte Menschen wie Paracelsus, Wissenschaftler wie Newton, spirituelle Menschen wie Hahnemann, auch sie konnten diesen Prozess nicht verhindern, die Natur bleibt immer noch stärker. Wenn die Zeit reif ist, die Reise in die Ewigkeit zu unternehmen, kann niemand uns stoppen. Es steht nicht in unserer Macht, darüber zu bestimmen. Wir haben Mühe, mit der Abänderung umzugehen, weil wir die Angst in uns tragen, etwas zu verlieren, nämlich unsere Jugend. Jugend wird heutzutage positiv gewertet, ein bisschen grau und reif sei negativ. Leider haben wir den Wert der Reife verloren. Wir haben einfach eine blinde Angst. Angst, graue Haare zu bekommen, Angst, eine dicke Brille zu tragen, Angst, einen Stock in der Hand tragen zu müssen, Angst, abhängig zu werden, - kurz, wir sind voll mit Ängsten infiziert. Aber: Wir sind auch einmal Kind gewesen, wir sogenannten alten Leute waren auch einmal Säuglinge, wild, frei, frech, unbeherrscht, doch wir haben eine Reise gemacht und haben viele Erfahrungen gesammelt. Nehmen wir einen jungen Baum, einen Apfel- oder Birnbaum: Die Wurzeln saugen tief unten in der Erde Nahrung und Weisheit, um uns die schönsten Früchte zu geben. Aber alles begann mit einem kleinen Samen. Sie sehen, verstehen wir die Wechseljahre falsch, ist es der "Anfang vom Ende". Man kann aber auch "Ruhetag" oder einfach "Pause" sagen. Wie warten wir nach einem ermüdenden Vormittag im Geschäft auf die Mittagspause? Verschiedene Pausen haben wir gerne, aber die Menopause nicht. Wir Menschen haben die Gewohnheit alles in "positiv" und "negativ" einzuordnen. Wir wollen die Bedeutung all dieser Phasen nicht verstehen und wahrhaben und haben nur Angst. "Oh, mein früherer körperlicher und gesundheitlicher Zustand und meine Schönheit verschwinden langsam!" Aber unsere Schönheit erhält eine andere Dimension und Ausstrahlung! Die Schönheit einer 85jährigen Großmutter mit weißem Haar, die mit ihren Urgroßkindern da sitzt und ihnen soviel Liebe schenkt, ist das nicht wahre Schönheit? Unsere Gesellschaft verkauft uns leider ein anderes, kitschiges Bild von Schönheit. Das Wort "Schönheit" sollte nicht mehr gebraucht werden, weil wir es nicht verstehen. Wenn wir die Wechseljahre nicht wie Wechsel-, sondern - voller Angst - wie Verlust-Jahre empfinden, gibt es nur einen winzigen Schritt und die Wechseljahre werden zur Krankheit. Aber dann ist die Schwangerschaft auch eine Krankheit, mit diesem großen Melonenbauch, der wie eine Geschwulst aussieht, und erst die Pubertät mit ihren komischen Brustschwellungen und Haarwachstum ist sowieso eine Krankheit. Wenn die Wechseljahre Krankheit heißen, dann sind all die anderen Wechsel in unserem Leben auch krankhaft. Pubertät ist "Frühling", Schwangerschaft ist "Garten voller Blumen", regelmäßige Menstruation ist "Sonnenschein" und am Schluss sagt der liebe Gott: "Jetzt müssen meine Pflanzen ein bisschen Ruhe haben."

Die Natur denkt an die Frauen mit Liebe und sagt: "Du brauchst Ruhe, du hast genug geleistet."

Warum sollten wir dann Angst vor der Ruhe haben? Was wollen wir dann? Unser Leben lang unruhig bleiben? Nein, die Natur sagt uns: "Pause!", es ist wie ein Komma im Leben, eine Zeit zum Nachdenken, eine Zeit des Wechsels und der Änderung. In Indien sagt man: "Es ist eine Zeit zum Meditieren." Die Frau hat genug der weltlichen Dinge gemacht, sie hat eine Familie aufgebaut, Kinder gepflegt, jetzt ist es Zeit für sie, sich selber zu pflegen.

Die Wechseljahre haben in unserer Gesellschaft eine komische Farbe angenommen, die Ängste wachsen. Ein Grund dafür ist sicher, dass wir hier mehr Frauenärzte als Frauenärztinnen haben. Was weiß schon ein Mann über die Wechseljahre einer Frau. Er hat schon genug Probleme, die eigenen "Wechseljahre" oder "Midlifecrisis" zu begreifen! Seine Krise kann er verstehen, aber die Krise einer Frau kann er nicht nachvollziehen. Kehren wir das Bild um: Ein Mann geht zu einer Frau Urologin wegen Prostata-Problemen und einer Verengung der Harnröhre. Sie sagt: "Wir schneiden den Penis weg und die Hoden auch noch, das alles brauchen sie doch nicht mehr in ihrem Alter." Es ist ähnlich wie wenn ein Mann sagt: "Sie brauchen ihre Gebärmutter nicht mehr, sie haben ja schon drei Kinder."

Die Wechseljahrbeschwerden wie Wallungen, plötzliches Erwachen nachts mit Erstickungsgefühl und Herzklopfen usw. wurden früher als normal betrachtet. In der heutigen "modernen" Medizin sind sie zu einer großen Krankheit geworden. Versuchen Sie, ihre Herbstzeit besser zu verstehen: "Ich bin Mutter, vielleicht schon Großmutter, ich habe das ganze Leben für die anderen gesorgt, jetzt nehme ich mir die Zeit für mich, ich bin stolz auf mich." Stolz beginnt im Zentrum des Menschen, wenn Sie sich stolz fühlen, werden Sie auch von den anderen akzeptiert. Wenn Sie voller Minderwertigkeitskomplexe sind und denken, dass Sie nicht mehr schön sind, eine faltige Haut und hängende Brüste haben, ja wenn Sie so denken und akrobatische Übungen machen mit ihrer eigenen sogenannten Schönheit, sich selber nicht akzeptieren, was erwarten Sie dann von den anderen?

Warum ist es so, dass die Frauen eine begrenzte fruchtbare Zeit haben und die Männer nicht? Der Mann spielt nur eine indirekte Rolle. Die Frau wird schwanger, sie gebärt, sie stillt. Das Kind hat Koliken und die Mutter hat auch Koliken, diese Verbindung ist wie ein ständiges Energiesaugen von der Mutter. Die Arbeit der Frau ist viel strenger als die des Mannes, deshalb ist die Möglichkeit, Mutter zu werden zeitlich begrenzt. Es braucht dann Ruhe, eine Pause!

In den Wechseljahren werden viele Frauen etwas träge, sie haben die Tendenz, gewisse Dinge zu vernachlässigen, zu verschieben. Wenn eine Frau gegen diese vorübergehende Faulheit kämpft, regelmäßig Sport treibt, sich bewusst gesund ernährt, allgemein sich selber Aufmerksamkeit schenkt, überwindet sie diese Phase schnell und hat viel weniger gesundheitliche Probleme. Diejenigen Frauen, die sich einfach in dem Fluss von Faulheit treiben lassen, neigen dann mehr zur Wasserretention, Arthrose, Übergewicht, Herzbeschwerden, Depressionen, Wallungen usw. In einem solchen Fall braucht man nicht ein Pflaster am Gesäß, sondern Bewusstsein. Östrogenmangel in der Menopause ist normal, das ist genau das, was die Natur will. Aber unsere Wissenschaftler sehen das anders, die Mäuse haben ja im Labor gezeigt, dass... Doch Frauen und Mäuse sind nicht dasselbe! Diese unsinnigen Tierversuche irgendwo in einer Laborschachtel, und dann kommen sie mit einer Behauptung, die sie als Fakten repräsentieren, und die nach kurzer Zeit durch eine andere Behauptung widerlegt wird. Der Östrogenmangel ist nicht etwas Pathologisches, es ist ein ganz normaler Mangel, der von der Natur vorprogrammiert wurde, damit die Frau zur Ruhe kommt. Lassen Sie sich nicht manipulieren und in den Alptraum von ewiger Jugend mitziehen. Warum sollte eine Frau ewig jung bleiben? Für einen Mann? Lächerlich! Beide sind im Fluss des Lebens gemeinsam geschwommen und beide müssen sich so akzeptieren, wie Sie sind. Wenn er ihnen sagt: "Du bist nicht mehr attraktiv, du bist nicht mehr schön", dann halten Sie ihn vor den Spiegel und zeigen ihm, daß er schon einige Zähne verloren hat, und das seine Hoden deutlich dem Boden näher sind!

Im Prinzip sollten die Wechseljahre so angenommen werden, wie wenn sie für beide wären. Wenn sie sich richtig spirituell lieben, dann respektieren sie Gefühle und Entwicklungen und sind bereit, ein neues Gleichgewicht in der Beziehung aufzubauen.

Viele Frauen haben große Mühe, die Wallungen zu akzeptieren. Schwitzen in dieser Phase ist normal. Die Haut ist die dritte Niere. Haben Sie gemerkt, wie schwer sich Leute fühlen, welche nicht richtig schwitzen können? Wir bezahlen soviel für die Sauna und liegen dort einfach wie eine nackte Puppe, warum? Um uns durch das Schwitzen zu erleichtern. Aber diese tiefe, spirituelle Sauna, welche die Natur für die Frauen vorgesehen hat, die wollen wir nicht. Die Frau hat jahrelang regelmäßig geblutet, denken Sie, dass dieser monatliche Auf- und Abbau einfach ohne Reinigung aufhören wird? Weiß die Natur weniger als unsere eingebildeten Wissenschaftler? Sie weiß viel mehr! Sie hat uns hierher geschickt, sie ist die perfekte Ärztin. Wenn Sie mit der Natur spielen und das Schwitzen unterdrücken, unterbrechen Sie eine normale Reinigungsphase und können durchaus ihr Leben in Gefahr bringen. Wir haben in der Praxis Fälle gesehen, komplizierte Fälle, Frauen mit massiven Depressionen. Trocken, aber bereit zu sterben. Auf die Frage, ob sie ein Hormonpflaster haben, antworten sie: "Ja, seit drei Jahren, ich hatte ja so starke Wallungen." Seit zweieinhalb Jahren ist sie depressiv und seit drei Jahren hat sie dieses Pflaster. Das sind selbst eingekaufte Probleme. Wir fragen uns als Menschen, nicht als Therapeuten, was leichter zu ertragen ist: Selbstmordgedanken, ein graues, freudloses Leben oder Schwitzen und platschnasses Aufwachen?

Starke Blutungen in den Wechseljahren sind oft nichts Pathologisches. Wir haben oft Frauen erlebt, die obwohl sie stark bluteten, sich fit und voll Energie fühlten und alle Blutwerte waren normal, keine Anämie. Wird in solchen Fällen die Gebärmutter entfernt, ist es oft der Anfang vom Ende. Diese Blutungen waren lebensrettend. Man hat eine Blase zum Wasserlösen und die Seele hat bei den Frauen noch eine weitere Blase, welche Vaginalblutung heißt. "Ich lasse alles heraus, meine Beschwerden, meine Schwierigkeiten, meinen ganzen Friedhof von Emotionen, Beleidigungen und Enttäuschungen." Wenn Sie solche Symptome haben, Blutung ohne Erschöpfung, Sie ihre alltäglichen Pflichten ohne Probleme erledigen können, ein normales Gefühl in sich haben und sogar die Laborwerte normal sind, dann machen Sie sich um diese Blutungen keine Sorgen. Blutungen in einer solchen Phase sind auch eine Form von Reinigung. Es könnte Krebs werden...! Man nimmt die Gebärmutter weg, ja dann kann es tatsächlich keinen Gebärmutterkrebs geben. Glauben Sie aber das eine Krebstendenz so ausgerottet wird? Einige Jahre später gibt es einen Krebs irgendwo anders oder sonst eine aggressive, destruktive Krankheit. Frauen kommen nach einer Hysterektomie mit Arthrose, Polyarthritis, Nierenbeschwerden, Depressionen, zu hohem Blutdruck, Wasserretention oder offenen Beinen. Sie nehmen Tabletten gegen den Blutdruck oder die Wasserretention, aber der Wurm bohrt weiter. Das nächste Problem kommt: Nierenbeckenentzündung, Asthma, Gallensteine oder sonst was. Wir müssen unsere Körpersprache verstehen und nicht unterdrücken. Unsere Lebenskraft ist wie eine Mauer aus vielen Steinen; wird ein Stein entfernt, wackelt die ganze Mauer. Wurde die Gebärmutter entfernt, ist es oft sehr schwierig, den Frauen zu helfen - auch mit Homöopathie. Ein Ventil ist verschlossen worden, es ist jetzt keine natürliche Krankheit mehr, sondern eine menschengemachte Krankheit. Wir meinen nicht, dass die Gebärmutter nie entfernt werden muss. Die Operation ist die letzte Waffe. Tauchen Sie zuerst in sich hinein und denken Sie darüber nach, wie ihr Leben gewesen ist, fragen Sie sich, ob diese Blutungen nicht eine Erleichterung sein könnten, bauen Sie eine bessere Beziehung zu sich und ihrem Körper auf. Sind die Blutungen aber so massiv, dass die Frau total erschöpft wird, gibt es einen massiven Gebärmuttervorfall, eine Entzündung, Geschwüre oder sonst etwas, das auch mit Hilfe der Homöopathie oder anderen Therapiemethoden nicht positiv beeinflusst werden kann, dann ist eine Hysterektomie nicht zu vermeiden. Die Operation darf aber nie eine leichtfertige Entscheidung erster Wahl sein. Eine Gebärmutter ist kein Kängurusack, ein Sack, um Kinder zu haben, den man danach nicht mehr braucht. Es ist ein Teil ihrer Identität.

Überlegen Sie, welche Bedeutung eine Blutung haben könnte. Eine Frau sagt: "Meine Tochter hat mich so schlecht behandelt, sie ging mit 22 Jahren nach Amerika und hat mir nie einen Brief geschickt oder mich angerufen, ich bin verletzt und blute." Könnte diese Blutung nicht ein Versuch der Lebenskraft sein, diese Frau in der Harmonie zu halten? Anstatt zu weinen, weint sie unten. Wenn sie die Bedeutung von diesem Symptom versteht, wird es langsam besser, auch ohne Mittel.

Ein häufiges Problem für Frauen in den Wechseljahren sind Schlafstörungen. "Ich schlafe nicht." Ja, warum sollen Sie schlafen? Sie haben die Hausaufgaben noch nicht erledigt. Es ist die Wechseljahrzeit, das heißt, das Leben wechselt, es gibt viel, worüber Sie nachdenken müssen. Aber nein, Sie wollen die Augen zumachen und an nichts denken. Ist es nicht wie ein Kind, das sich wehrt, die Hausaufgaben zu machen und sagt, es wolle jetzt lieber schlafen? Bei einem Kind schreien wir, aber jetzt, wo Mutter Natur uns auffordert, unsere Hausaufgaben zu erledigen, sagen wir, wir wollen schlafen.

Wir möchten auch den Frauen raten, nie Krampfadern aus ästhetischen Gründen operieren zu lassen. "Es ist aber doch eine winzige Operation...!" Wenn es doch so einfach wäre... Krampfadern sind das Zeichen einer konstitutionellen Schwäche. Werden sie leichtfertig entfernt, kann das Gleiche geschehen, wie wir es an dem Beispiel mit den Mauern erläutert haben. Versuchen Sie es mit natürlichen Methoden wie z.B. Kneipp-Bädern, kaufen Sie bequeme Schuhe und werfen Sie alle Schuhe mit hohen Absätzen weg. Trinken Sie keinen Kaffee mehr. Und wenn Sie ihr ganzes Leben geraucht haben, dann ist es endlich Zeit, diese Gewohnheit aufzugeben, Rauchen verstärkt die Neigung zu Krampfadern, abgesehen von den anderen Nebenwirkungen. Versuchen Sie in den Wechseljahren, mehr für sich zu machen, sich gesünder zu ernähren, gesünder zu leben, damit Sie mit sich selber mehr Freude haben.

Oft werden die Frauen in den Wechseljahren empfindlicher. Früher konnte sie viel mehr ertragen, aber jetzt geht es nicht mehr. Sie fühlt sich leicht verletzt und hat genug von allem. Dinge, die früher selbstverständlich waren, wie Kochen, Waschen, Haushalt machen fallen ihr jetzt schwer. Der kleinste Widerspruch, die kleinste Meinungsverschiedenheit dringt viel tiefer in die Seele als früher. Warum ist sie so empfindlich? Sie ist z.B. immer sehr zurückgezogen und zurückhaltend gewesen. Sie hat den Kindern und der Harmonie zuliebe alles geschluckt, den Unsinn des Mannes, der Mutter, des Bruders und der Schwester. Von außen konnte sie sehr ruhig wirken und alle machten ihr Komplimente, weil sie so ausgeglichen war. Jetzt aber nicht mehr, jetzt kann sie, will sie, soll sie nicht mehr schlucken. Essen und Getränke schlucken ist gut, aber wenn man Gefühle, Emotionen, Trauer, Ärger, alles hinunterschluckt und den Deckel zumacht, was erwarten wir Anderes als etwas Bösartiges. Dann spürt man z.B. einen Knoten in der Brust oder Krebs im Unterleib und erschrickt. Diese Krankheit ist nur die Furcht, ein Spiegel von dem, was man das ganze Leben mit sich gemacht hat.

Diese vorübergehende Überempfindlichkeit in den Wechseljahren ist nichts Negatives. Es ist wie ein Sprungbrett, damit die Frau genügend Courage findet, sich selber wieder zu finden, eine neue Identität zu etablieren. Es ist eine Stimme der Natur. Endlich soll die Frau nicht nur für die anderen da sein, sondern auch sich selber lieben, sie soll auch einmal nein sagen können, sie soll auch sagen können, dass sie das Eheleben monoton und langweilig findet. Der Mann kommt immer todmüde nach Hause, sie sind seit 15 Jahren nicht mehr im Kino gewesen, er schläft jeden Abend vor dem Fernseher ein oder mag einfach nicht reden. Warum soll sie alles schlucken, um eine Scheinharmonie zu bewahren? Die Geranien hängen draußen und alle bewundern den Balkon, aber in der Wohnung gibt es keine einzige Pflanze, es ist kühl und traurig. Ist das Leben nur eine Show?

Die Frau wird empfindlicher und weint öfters. Ist sie nun depressiv? Weinen ist eine seelische Erleichterung, wie ein seelisches Wasserlösen. Wenn die Seele nicht weinen darf, ist es wie wenn wir literweise trinken und nicht pinkeln dürfen, wie fühlen wir uns? Weinen gehört zu uns wie alle anderen Emotionen. Wie viele Hemmungen haben wir zu weinen! Starke Buben oder Mädchen weinen nicht, Großpapi auch nicht. Stark bleiben, präsentabel bleiben, die Geranien hängen draußen. Und was passiert drinnen? Ein Stau, ein riesiger seelischer und körperlicher Stau, dann entsteht ein Knoten irgendwo und wir sind fassungslos. War das nicht zu erwarten? Ein rundes Objekt hinterlässt einen runden Schatten und ein quadratisches Objekt einen quadratischen Schatten, ist es nicht normal? Wie kann man die Gedanken vom Körper trennen? Wie kann man die Seele und dieses ganze Gehäuse trennen? Knoblauch essen und nach Spargel riechen, haben Sie davon schon einmal gehört? Wie kann man außen etwas Anderes haben, als was innen ist? Das wäre gegen die Gesetze der Natur. Ärgerlich sein, aber cool bleiben, beleidigt sein, aber zuvorkommend und freundlich wirken. Das Problem ist, dass unsere Gesellschaft Ehrlichkeit nicht mag. Diese Störung begann vor vielen Generationen und wir folgen ihr brav weiter. Wir produzieren weiter Fotokopien. Es ist, wie wenn man Hosen in die Reinigung gibt und das Fräulein fragt: "Mit Stärke oder ohne?" Einfach steif gemacht und die ganze Schönheit des Menschen verschwindet. Unnatürlich leben, unnatürlich verdrängen, aber während den Wechseljahren sagt die Natur: "Vorbei, keine Grenzen mehr! Schlucken ist verboten!" Endlich kann die Seele schreien und weinen, der Körper schwitzen, die Gebärmutter bluten. So viel Schmutz kann endlich gereinigt werden. Und die Frau rennt zum Arzt, nimmt Hormone, Pflaster, Schlaftabletten, Beruhigungsmittel, versiegelt alle Türen und Fenster und betrachtet strahlend ihre blühenden Geranien.

Es ist eine persönliche Entscheidung, wo man das Schwergewicht im eigenen Leben setzen will, auf dem Balkon oder in der Wohnung. Aber unsere Fassungsmöglichkeit hat Grenzen, irgendwann rebellieren Körper und Seele gegen all diese Misshandlungen. Man entfremdet sich immer mehr von sich selber. Ich nehme Tabletten und lache zwei Stunden, ich nehme Tabletten und werde für einige Stunden bewusstlos (was gewisse Leute auch Schlafen nennen...), ich sitze auf einem seelischen Rollstuhl. Wollen wir das???

Je mehr eine Frau im Gleichgewicht ist, je weniger sie innere Reinigungsarbeit zu bewältigen hat, umso unscheinbarer wird sie durch die Wechseljahre gleiten.

Versuchen Sie, Ihre eigene Lehrerin und Therapeutin zu werden, damit Sie Ihre Gefühle und Ihr Leben besser analysieren können. Mehr Verständnis und mehr Liebe zu sich selber - und Sie sind die beste Heilerin!