Psychopharmaka

Die "Psychopharmaka" der Homöopathie

Homöopathische Heilmittel aktivieren als schwache Reize die Selbstheilungsregulationen gegen die Ursachen einer Erkrankung. Bei seelischen Störungen werden wahrscheinlich vor allem die verschiedenen Neurotransmitter als biochemische Grundlagen des Seelenlebens beeinflußt. Die Therapie der zahlreichen psychischen und psychosomatischen Beschwerden des Alltags durch homöopathische Mittel erweist sich in der Praxis als sehr gut wirksam. Chemische Psychopharmaka mit all ihren Risiken werden dadurch entbehrlich.

Homöopathie wirkt nicht nur bei einfachen psychischen Störungen, selbst bei schweren Psychosen eignet sich die individuell richtige homöopathische Behandlung und führt bei korrekter Anwendung sogar zu besseren Wirkungen als starke chemische Psychopharmaka. Die „Informationen“ der Hochpotenzen können in solchen Fällen zur deutlichen Besserung führen. 

Akute ernste psychische Krisen wie massive Erregungs-, Angst- und Wahnzustände erfordern die Kompetenz eines sehr erfahrenen Homöopathen!


Selbsthilfe mit homöopathischen Heilmitteln
Die homöopathische Selbstbehandlung seelischer Krankheiten fällt aus mehreren Gründen schwer. Probleme ergeben sich nicht allein bei der Auswahl der individuell richtigen Mittel in der angemessenen Potenz, sondern auch durch die im Verlauf der Therapie oft notwendige Anpassung an die psychischen Reaktionen. Hinzu kommt, daß die zuverlässige Diagnose den Betroffenen bei psychischen Störungen häufig noch schwerer als bei körperlichen Krankheiten fällt. Deshalb muß sich die Selbsthilfe auf offensichtlich einfache seelisch-nervöse und psychosomatische Beschwerden beschränken wie zum Beispiel allgemeine Nervosität kurze reaktive depressive Verstimmungen, leichte Angstzustünde und Schlafstörungen. Alle anderen Krankheitsbilder, insbesondere psychotische Erkrankungen, erfordern fachlich verordnete Homöopathie!

Als Reaktion auf das individuell genau „passende“ homöopathische Mittel kann es vorübergehend zur Erstverschlimmerung kommen. Dabei verstärken sich die Symptome für kurze Zeit und / oder das Allgemeinbefinden wird beeinträchtigt. Diese Reaktionen zeigen an, daß die Selbstheilungsregulationen in Gang gekommen sind. Deshalb darf man sie keinesfalls medikamentös unterdrücken, sonst wird der Heilungsprozeß wieder unterbrochen. Bei kurzer Erstverschlimmerung, die nur wenige Stunden dauert, muß überhaupt nichts unternommen werden. Dauert die Reaktion länger soll der Therapeut zugezogen werden.

Im Verlauf der homöopathischen Psychotherapie treten nicht selten auch Symptome auf, die dem akuten Beschwerdebild vorangingen, zum Beispiel längst verdrängte Ängste und Frustrationen. Auch diese Reaktion ist zwar unangenehm, aber nützlich, weil die wieder bewußt gewordenen Erfahrungen nun nachträglich verarbeitet werden können. Damit verlieren sie ihren störenden Einfluß, der Weg zur psychischen Stabilisierung und Harmonisierung wird frei.

Die folgenden Angaben zur homöopathischen Therapie psychischer Störungen müssen sich auf die Hauptmittel beschränken, die bei den verschiedenen Symptomenbildern oft angezeigt sind. Wenn diese nach einiger Zeit zu keiner spürbaren Besserung führt, sollte die individuell richtige Behandlung fachlich verordnet werden!

Homöopathische „Beruhigungsmittel“
Die folgenden homöopathischen Wirkstoffe bewähren sich meist gut zur Beruhigung am Tag ohne Ermüdung.

  • Acidum phosphoricum bei nervöser Schwäche durch Überforderung, Sorgen und Schlafmangel, vor allem bei gleichzeitigem Appetitmangel und nächtlichem Schwitzen.
  • Avena sativa zur Basistherapie gegen nervöse Schwache, Schlafstörungen und zur allgemeinen Kräftigung des Nervensystems.
  • Coffea bei Nervosität mit Unruhe, Zittern, Kopfschmerzen und Schlafstörungen, insbesondere wenn auch psychosomatische Herz-Kreislauf-Symptome bestehen.
  • Ignatia gilt als ein Hauptmittel bei nervöser Gereiztheit mit depressiver Verstimmung, vor allem bei zusätzlichen Herzbeschwerden, Sehstörungen, Appetitmangel und Druckgefühl im Kopf.
  • Nux vomica vor allem bei chronischer Nervosität durch anstrengende geistige Arbeit, begleitet von Durchschlafstörungen, Benommenheit, Kreuzschmerzen und MagenDarmBeschwerden.
  • Phosphorus für magere, hochgewachsene, blasse Menschen mit Gereiztheit, nervöser Schwäche, Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Beschwerden und Rückenschmerzen.
  • Valeriana ist eines der Hauptmittel zur Grundbehandlung von Nervosität, Gereiztheit, Unruhe, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Magenbeschwerden und Blähungen.
  • Zincum metallicum oder Zincum valerianicum bei nervöser Unruhe mit Zittern und Zuckungen vor allem in den Füßen, Lähmungsgefühl im Rücken, Gedächtnisschwäche und Kopfdruck.
     

Homöopathische „Schlafmittel“
Bei Schlafstörungen eignen sich zum Teil die gleichen Wirkstoffe wie zur Beruhigung am Tag. Die nachstehenden bewähren sich meist gut:

  • Acidum phosphoricum bei seelisch bedingten Schlafstörungen mit ausgeprägter Müdigkeit am Tag.
  • Argentum nitricum bei Schlafstörungen durch Streß und Überforderung.
  • Coffea wenn man zum Einschlafen nicht geistig abschalten kann und erregt ist.
  • Gelsemium bei Schlafstörungen mit Schwindel und Kopfschmerzen durch Überanstrengung.
  • Ignatia bei Schlafstörungen durch Kummer und Sorgen.
  • Kalium carbonicum, wenn der Schlaf durch Schmerzen behindert wird und/oder man gegen 3 Uhr morgens schweißgebadet erwacht.
  • Nux vomica bei Schlafstörungen durch allgemeine Nervosität oder nach Alkohol-, Kaffeeund Nikotinmißbrauch.
  • Passiflora zur Grundbehandlung bei nervösen Schlafstörungen.
  • Phosphorus bei Schlafstörungen durch Nervosität, nervöse Schwäche oder bei Angst im Dunkeln (oft bei Kindern).
  • Pulsatilla bei nächtlicher Unruhe mit Müdigkeit am Tag, versuchsweise auch bei hormonell bedingten Schlafstörungen.
  • Sulfur bei Schlafstörungen durch Arteriosklerose der Hirngefäße, insbesondere mit heißen Füßen.
  • Valeriana, ein symptomatisches Hauptmittel, das Schlafstörungen bald bessern kann, vor allem bei nervöser Unruhe und Erregungszuständen.
  • Zincum valerianicum bei Schlafstörungen mit Unruhe vor allem in den Beinen.
     

Homöopathische „Antidepressiva“
Zur Therapie depressiver Zustande kennt die Homöopathie zahlreiche Wirkstoffe. Sie müssen genau noch den Ursachen der Depression ausgewählt werden, was der Selbsthilfe naturgemäß enge Grenzen setzt. Bei leichteren depressiven Verstimmungen kann aus den folgenden Wirkstoffen der „ähnlichste“ ausgesucht werden, um die Selbstregulation des Seelenlebens zu aktivieren.

Stärkere und unklare endogene Depressionen erfordern stets fachliche Hilfe, vor allem bei erhöhtem Selbstmordrisiko.

  • Acidum phosphoricum bei chronischen Depressionen mit Erschöpfung, Sorgen und Angst vor der Zukunft.
  • Aurum metallicum, ein Hauptmittel bei Depressionen mit Wechsel zwischen Melancholie und Überaktivität, Neigung zum Grübeln, Selbstmordgedanken und begleitenden Herz-Kreislauf-Beschwerden.
  • Cactus bei klimakterischen Depressionen mit Menstruationsstörungen, Herzklopfen und Angst.
  • Cimicifuga bei Depressionen im Wochenbett (oft nach komplizierten Entbindungen), versuchsweise auch bei klimakterischen Depressionen mit Bewegungsdrang, Geschwätzigkeit, Angstzuständen und Launenhaftigkeit.
  • Hyoscyamus bei Depressionen mit starker Angst, Erregung, Mißtrauen, Verzweiflung und Halluzinationen.
  • Ignatia bei neurotischen Depressionen mit starker Melancholie und Weinerlichkeit, Nervosität und Angstzuständen, oft als Reaktion auf den Verlust nahestehender Menschen.
  • Lilium tigrinum bei klimakterischen Depressionen mit Gereiztheit, nervösen Herzbeschwerden, oft zusätzlich Senkung der Unterleibsorgane.
  • Lycopodium vor allem bei depressiven Verstandesmenschen, die ihre Gefühle zu stark beherrschen, zur Vereinsamung neigen und Angst vor der Zukunft haben.
  • Natrium chloratum bei Depressionen mit Angst, Gereiztheit, zu niedrigem Blutdruck, Neigung zur Stuhlverstopfung, auffälligem Bedürfnis nach Salz und Schwächegefühl morgens gegen 11 Uhr.
  • Nux vomica bei Depressionen mit deutlicher Angst und Gereiztheit vor allem morgens, häufig bei Menschen mit Neigung zur Perfektion.
  • Pulsatilla bei Depressionen mit Überempfindlichkeit und Weinerlichkeit, häufig verbunden mit unregelmäßiger Monatsblutung; vor allem geeignet für junge Frauen und Mädchen in der Pubertät.
  • Staphisagria bei Depressionen im Kindbett mit Nervosität Gereiztheit und Ablehnung des Kindes, meist nach schweren Entbindungen.
  • Tarantula bei depressiven Angstzuständen mit Stimmungsschwankungen, Aggressivität, Halluzinationen und wahnhafter Verkennung der Realität.
  • Veratrum album bei starken Depressionen, die nach schweren Schicksalsschlägen auftreten, aber nicht deutlich zum Ausdruck kommen.
     

Homöopathie bei Ängsten und Phobien
Die letzte Gruppe homöopathischer „Psychopharmaka“, die sich teilweise zur Selbsthilfe eignen, richten sich gegen Angstzustände. Wenn Ängste und Phobien nicht das Leben dominieren, kann man durchaus versuchen, die folgenden Hauptmittel zur Selbsthilfe zu verwenden.

Ausgeprägte Angstzustände erfordern aber immer eine fachliche Behandlung!

  • Aconitum bei plötzlichen Angstanfällen mit Unruhe, Todesangst und Blutandrang zum Kopf oder zum Herzen.
  • Argentum nitricum bei Angst mit Unruhe, Kopfschmerzen, Schwindel und Herzjagen, die oft durch Wetterveränderungen ausgelöst wird; ferner bei Lampenfieber, Prüfungsangst, Platzangst (Agoraphobie) und Angst in engen geschlossenen Räumen (Klaustrophobie).
  • Arsenicum album bei Angst mit Ruhelosigkeit, Gereiztheit, Erschöpfung, Todesangst, nächtlichen Angstanfällen und Alpträumen.
  • Calcium carbonicum bei Angst mit Mutlosigkeit, Pessimismus, Erschöpfung und Entscheidungsschwäche.
  • Lachesis bei Angst vor der Zukunft, Trennungsangst, Eifersucht und Mißtrauen, was zum Teil mit Herz-Kreislaufund/oder Hormonstörungen in Beziehung steht.
  • Natrium chloratum bei Angst durch Kummer, Sorgen, Konflikte und Streß, die von Depressionen begleitet wird und sich oft am Vormittag gegen 10/11 Uhr verschlimmert.
  • Phosphorus bei Angstzuständen durch Schwächung des Nervensystems, oft mit Schlafstörungen aus Angst vor der Dunkelheit, zum Teil auch Erregungszustände.
  • Veratrum bei Angst mit Gereiztheit Unruhe, Todesfurcht, Erschöpfung, in schweren Fällen auch Wahninhalte.
     

Es gibt noch weiterer homöopathischer „Psychopharmaka“. Darauf muß hier nicht mehr eingegangen werden, denn sie bleiben fachlicher Verordnung vorbehalten. Mit den hier genannten Mitteln lassen sich im allgemeinen die seelisch-nervösen Störungen, bei denen Selbsthilfe möglich ist, gut beeinflussen.